Die „Rettung-durch-weiter-Erhöhen“-Methode

… am Beispiel Tennismatch zwischen R. Kendrick gg. D. Udomchoke vom 26.2.2007.

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Die beiden Spieler wurden vor dem Match als in etwa gleich stark eingeschätzt (Leider habe ich die genauen Quoten von vor dem Spiel nicht notiert, DU wurde aber etwas favorisiert). Kendrick hatte einen Aufschlag verpatzt und ich setzte (beim Spielstand 0:3 oder 1:3 ?) 25,- Euro zu Q 2,20 und nochmals 10,- zu Q 2,40 auf ihn. Leider ging Kendricks Aufschlagspiel wieder nicht durch und seine Quote stieg weiter an – über 2.50 – 3.00 – 4.00 – 5,00 – etc.

In dieser Phase platzierte ich kontinuierlich weitere Wetten auf Kendrick. Allerdings stieg seine Quote nun nicht mehr so linear nach oben wie zuvor, sondern sackte zwischenzeitlich immer wieder kurzfristig ab, sodass es möglich war einzelne Back-Wetten mit den korrespondierenden Lay-Wetten zu matchen.

Nach dem verlorenen ersten Satz war die Quote bereits bei 11,00 (und teilweise sogar noch höher) angelangt. Auch zu dieser Quote setzte ich nochmals auf Kendrick. Wie erhofft zeigte Kendrick im zweiten Satz, dass er doch nicht so schlecht ist wie man anhand der Quoten nach dem ersten verlorenen Satz denken sollte. Jetzt fiel die Quote wieder bis auf einen Tiefstwert von ca. 3,00 und alle noch offenen Lay-Wetten bis zu diesem Preis wurden angenommen. Dabei wurde nicht nur das Einsatzrisiko entsprechend minimiert (zuletzt betrug das Verlustrisiko bei Gewinn Udomchoke rd. 40,- Euro – möglicher Gewinn bei einem Sieg von Kendrick wären ca. 85,- gewesen), sondern auch die Durchschnittsquote der noch offenen Wetten auf Kendrick soweit angehoben, dass es zuletzt noch möglich wurde, die offenen Wetten (das waren die 47,- Euro auf Wetten zu den Quoten zwischen 2,20 und 2,60), mit einer Gegenwette auf Udomchoke (80,- zu Quote 1,52 als dieser gerade einen Aufschlag verpatzt hatte) abzusichern und sogar noch einen kleinen Gewinn herauszuarbeiten.

Gesamtübersicht Back/Lay Kendrick + Restabsicherung Back Udomchoke

Detailansicht der einzelnen Wetten:

Zuletzt ging dieses Event dank der ,,Rettung-durch-weiter-erhöhen“-Methode also doch noch gut aus. Der Grund dafür war die Anhebung der Durchschnittsquote für den jeweils noch offenen Restbetrag. Eine 11-er Quote für 5,- Euro fettet den Quotenschnitt natürlich entsprechend auf – auch dann noch, wenn sie bereits (wie in diesem Fall mit 7,- Euro) mit einer 7,20 Lay-Quote gesichert wurde.

Mindestens genauso dramatisch sah es beim Match von Seppi gg. Schüttler (27.2.2007) aus.

Vor dem Spiel waren die Quoten (auf jeden Spielerum die 2.00) ziemlich ausgewogen. Beim Spielstand von 0:3 – und einer Quote von 3,50 bis 3,55 begann ich auf Seppi zu wetten und man hätte denken sollen dass Seppi jetzt wenigstens einen Punkt machen kann. Dem war aber nicht so. Im ersten Satz konnte Seppi nicht ein einziges Spiel gewinnen, die Quote auf Seppi stieg bis auf 11,00. Ich hatte während des ersten Satzes bereits 55,- (zu Quoten 3,50 – 3.55 – 4,00 – 4,00 – 5,20 – 8,00 ) auf Seppi gesetzt. Nach dem verlorenen ersten Satz wurden nochmals 10,- zur Q 9,10 placiert. Das geschah in der festen Überzeugung dass in solchen Turnieren niemand so schlecht spielt, dass er nicht wenigstens einen Punkt holen kann und in der Vermutung, dass sich Seppi (nachdem er den ersten Satz nach dem 0:4 praktisch sowieso schon verloren hatte) zum Ende des ersten Satzes nur noch schont um im zweiten Satz die Punkte aufzuholen. Damit wurde die Durchschnittsquote (von 3,52 aus den ersten und höchsten Einsätzen) mit nur wenig finanziellem Zusatzrisiko auf 5,18 angehoben.

Im zweiten Satz kam es dann wie erwartet: Seppi führt 3:2, hat Aufschlag und die Quote sinkt in Richtung 5,00 und weniger.

Dank der zuletzt abgeschlossenen Wetten auf den „hoffnungslosen Fall Seppi“ um Q 9,00 und 9,20 würde uns jetzt bereits die immer noch recht hohe Quote von 5,10 genügen um noch mit Profit auszusteigen. Das tun wir auch.

Sicherheitshalber eliminieren wir jetzt das Risiko indem wir zuerst bei 4,80 die offenen 65,- layen. Denn wer weiß ob Seppi nicht wieder ins Hintertreffen gerät …



Tatsächlich gelingt es Seppi sich weiter gut zu schlagen und die Quoten sacken sogar kurzfristig nochmals auf die Anfangswerte von etwas über 2,00 ab. Der Kursverfall ist verständlich, denn alle die zuvor auf den bereits vermeintlich sicheren Sieger Schüttler gesetzt haben sind nun gezwungen die Notbremse zu ziehen und sichern sich durch die entsprechende Gegenwette ab. Dadurch können wir nochmals ein paar Euro gegen Seppi zu einer sehr niedrigen Quote verkaufen.

Zwar haben wir nicht den besten Zeitpunkt erwischt um die Wetten abzusichern, aber besser einen kleinen Gewinn absichern als sich von der Gier leiten zu lassen und alles zu verlieren.

Insgesamt war die Entscheidung bei dem Spielstand auszusteigen aber richtig. Schüttler konnte sich im weiteren Spielverlauf gut behaupten und gewann letztlich auch den zweiten Satz im Tiebreak 7:6.

Quotenverlauf Seppi vs. Schüttler, Stand im 2. Satz:

Diese Taktik ist aber nur dann zu empfehlen, wenn die beiden Spieler von Anfang an als in etwa gleich stark eingeschätzt wurden oder wenn es der als Favorit gesetzte Spieler ist, der ins Hintertreffen gerät. Wenn es der bereits zuvor als Underdog gehandelte Spieler ist, der schon einen deutlichen Rückstand hat ist diese Methode nicht mehr zu empfehlen.

Als Beispiel: Wenn ein Top-Spieler wie Roger Federer in seiner besten Zeit gegen einen zweitklassigen Spieler (der möglicherweise irgendwo auf Platz Zweihundert-irgendwas auf der Weltrangliste steht) den ersten Satz 4:6 verloren hat und im zweiten Satz 1:3 im Rückstand liegt, kann man sicher noch auf Federer setzen. Wenn aber Federer den ersten Satz schon 6:1 gewonnen hat und es auch im zweiten Satz schon 3:0 für Federer steht, würde ich nicht mehr weiter auf seinen Gegner wetten (das hätte man sowieso nicht machen sollen – zumindest nicht solange Federer praktisch jedes Match gewonnen hat), sondern mich damit abfinden, dass ich hier nichts mehr gewinnen werde und versuchen, meinen Verlust noch so gut es geht abzuschwächen.

Schwierig einzuschätzen ist die Auswirkung einer unvorhergesehenen Spielunterbrechung (z.B. wegen Regen). Einerseits sollte man annehmen, dass ein erfahrener Favorit sich nicht so leicht aus dem Konzept bringen lässt und mit dem mit der Verzögerung verbundenen Stress leichter umgehen kann, als ein sowieso schon nervöser Tennis-Neuling. Andererseits kann eine Spielpause aber auch den Underdog, der zuvor vielleicht schon etwas ermüdet war und in der Pause neue Kräfte sammeln konnte, einen kleinen Vorteil verschaffen. Auch leichte Verletzungen, Zerrungen oder Krämpfe können sich in einer solchen Zwangspause wieder bessern und dem Spiel danach einen ganz anderen Verlauf geben. Eine lange Unterbrechung die den ganzen Terminplan durcheinander bringt birgt aber auch immer das Risiko, dass einer der Spieler gar nicht neuerlich antritt und statt dessen aufgibt – weil er z.B. kurz darauf bei einem anderen, viel höher dotiertem Turnier dabei sein will und lieber das weniger wichtige Spiel (bei dem es vielleicht nur um einen fünfstelligen Betrag geht) verloren gibt als wegen einer Verzögerung auf einen sechs- oder siebenstelligen Betrag zu verzichten.

Schließlich müssen die Tenniscracks auch ihre Sponsorverträge einhalten und Veranstalter zufrieden stellen, rechnen mit Startgeldern, Siegesprämien, etc. und es geht ihnen sicher nicht immer ausschließlich um die sportliche Herausforderung sondern um ganz profane, finanzielle Vorteile.

Zuletzt noch ein persönlicher Tipp zu Tennis-InPlay-Wetten: Die besten Ergebnisse erzielte ich meistens bei Vorrundenspielen (bis zum Viertelfinale). Hier steht üblicherweise ein klarer Favorit fest, der in den meisten Fällen auch gewinnt. Diese Tendenz nutze ich dazu die Einsätze so zu steuern, dass der Gewinn mehrheitlich bei einem Sieg des Favoriten fällig wird und bei einem Underdog-Sieg lediglich ein kleiner Betrag gewonnen wird. Bei den Halbfinal- u. Finalspielen treten hingegen meist schon sehr gleichwertige Gegner an und die Favoritenrolle ist dann nicht mehr so eindeutig. Entsprechend gleichmäßig müssen die Einsätze verteilt werden um in jedem Fall auf Nummer Sicher zu gehen.


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