Schiebung!?

Spätestens seit dem Wettskandal in der deutschen Bundesliga 2004 fragt sich die ganze Wettgemeinde wie viele der Spiele wohl manipuliert sind.

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Ich wage zu behaupten: Es sind weit mehr als man denken würde und nur die wenigsten Mauscheleien werden jemals bekannt. Das soll aber nicht heißen, dass alle der geschobenen Spiele mit aktiver Mithilfe von Schiedsrichtern und Spielern und nur wegen der Wettgewinne „gehoyzert“ werden.

Sicher, die Aussicht auf einen (wenn man das Ergebnis schon im Voraus kennt) weitgehend risikolosen und steuerfreien Wettgewinn kann schon so manche Schiedsrichter und Spieler auf die entsprechenden Gedanken bringen. Allerdings sind Spiele sicher nicht so einfach zu manipulieren – schließlich darf die Schiebung einerseits nicht zu offensichtlich sein und zum anderen müssten ja nicht nur Schiedsrichter sondern auch mehrere Spieler und Trainer eingeweiht werden, damit der Betrug auch wirklich funktioniert.

Ein Schiedsrichter oder nur ein, zwei Spieler alleine könnten ein Spiel in den seltensten Fällen so stark beeinflussen, dass man risikolos auf ein Ergebnis wetten kann – zumindest nicht wenn das Resultat auch ohne Nachzuhelfen wahrscheinlich so aussehen würde. Aber je mehr Personen in so einen Betrug eingeweiht werden müssen, umso geringer ist der Gewinnanteil pro Kopf. Die Beträge, die damit zu ergaunern sind, wären für Spitzenspieler wie Beckham, Ronaldinho oder ähnliche Kaliber wohl kaum der Rede wert. Das Risiko, beim Betrug erwischt zu werden oder sich wegen einer absichtlich schlechten Leistung die Karriere zu ruinieren, stünde sich für einen Millionenverdiener nicht dafür.

Damit dürften Spiele aus hochkarätig besetzten Ligen für einen simplen Wettbetrug wohl kaum in Frage kommen, selbst wenn man dort höhere Einsätze unterbringen könnte ohne zu schnell aufzufallen. Für einen Wettbetrug wird es viel einfacher sein sich die nötigen Hand- (oder besser Fuß-)langer in den vielen Unter- und Regionalligen zu suchen. Insbesondere gegen Saisonende, wenn die Endreihung – Auf- oder Abstieg – schon so gut wie feststeht und es für die meisten Mannschaften um keine wichtigen Punkte mehr geht sind häufig so manch’ überraschende Spielausgänge möglich.

Das soll aber weder heißen, dass es nur in den zweitklassigen Ligen Schiebung geben kann, noch dass es immer nur (oder hauptsächlich) um Wettbetrug geht. Es gibt ja noch ganz andere, viel lukrativere Gründe, warum ein Match besser unentschieden statt mit einem Sieger ausgehen sollte. Schließlich geht es bei jedem Event für die Mannschaften um Millionenbeträge an Einnahmen aus Eintrittskarten, TV-Rechten, Sponsoring, Werbung, Merchandising, etc. Wer glaubt da ginge es immer noch um Sport der irrt gewaltig.

Diese ganzen Spektakel sind heute in erster Linie Entertainment und Rahmenprogramm für millionenschwere Werbeblöcke. Und wer denkt die Unterhaltungsindustrie würde ihre Gewinne ausschließlich der Tagesverfassung von ein paar Kickern oder gar dem Zufall überlassen ist vermutlich recht blauäugig. Ich persönlich würde nicht darauf wetten, dass es nur in der Baubranche, Automobil- oder Elektroindustrie so etwas wie Kartellbildung, geheime Absprachen und Schmiergeldzahlungen in Millionenhöhe – initiiert oder zumindest abgesegnet von der obersten Managementebene – gibt.

Gefühlsmäßig könnten auch vor einem internationalen Cupspiel die Teambesprechungen zwischen Spielern, Trainern, Vereinsvorständen, Werbe- & Sponsorpartnern und den Medieneinkäufern so oder ähnlich ablaufen: „Burschen, wir alle wissen, dass wir ganz locker auch schon heute das Auswärtsspiel gewinnen und den Pokal holen können, aber ein Unentschieden wäre auch keine Schande. Deswegen würden wir noch lange nicht aus dem Cup fliegen. Wir können uns jetzt also ruhig schonen. Das Schlimmste, das uns bei einem Unentschieden passieren kann, ist ein Rückspiel in 14 Tagen daheim…“ Der Zusatz „….wieder vor mindestens 35.000 Zusehern, die jeweils im Schnitt so um die Hundert Euro Eintritt zahlen, ein paar zusätzliche Millionen für TV-Rechte, Bandenwerbung, Sponsoring, Fanartikel, … Also liefern wir jetzt ein schön dramatisches Spiel und hoffen auf eine Prolongation der Show mit all den Extra-Bonis.“ kann dann ruhig unausgesprochen im Raum stehen bleiben – das ist sowieso in den Arbeitsverträgen ganz legal geregelt.

Warum sollte es nur von erfolgreichen Hollywood-Blockbustern Fortsetzungen geben – schließlich endet der Pate auch nicht nach Teil I und Rocky Balboa spielte sogar noch im sechsten Aufguss in nur knapp drei Monaten die fünffachen Produktionskosten ein.

Diese Überlegungen sind den Buchmachern sicher nicht unbekannt, daher hat das genau genommen auch nichts mit Wettbetrug zu tun, höchstens mit Betrug an den sportbegeisterten Fans die noch unerschütterlich an so etwas wie den olympischen Gedanken, Ehrlichkeit und Fairness im Sport glauben (das sind vermutlich die Menschen die auch glauben dass bei Castingshows immer die talentiertesten Teilnehmer gewinnen).

Das ist natürlich alles nur fiktiv aber es beflügelt die laienhaften Gedankengänge eines aufmerksamen Wetters, der bei so manch einer Quotenkonstellation schon einmal ins Grübeln geraten kann. Ich würde zwar nicht behaupten jede Manipulation nur anhand der Quotenbewegung erkennen zu können, aber da die Wettbetrüger ja möglichst viele, hohe Wetten auf das von ihnen geplante Resultat abgeben, gibt es immer wieder Anzeichen auf eine mögliche Schiebung. Schon 2004 – lange bevor der Fall Hoyzer öffentlich wurde – fielen mir ungewöhnliche Quotensprünge auf – bei Spielen die sich später auch tatsächlich als getürkt herausstellten.

Das nachfolgend dokumentierte Spiel vom 1.4.2007 zwischen Kryvbas Kivoy Rig und Metalurg Zaporizhzhya (Ukrainische Vischaya League) könnte man aufgrund des eigenwilligen Quotenverlaufes durchaus für einen Aprilscherz halten.

Die beiden Mannschaften sind seit jeher im unteren Mittelfeld der Liga zu finden und schon jede für sich spielt mit Vorliebe unentschieden. In den letzten 12 Begegnungen dieser beiden Mannschaften seit 2001 gingen 4 Spiele (2001, 2002, 2004) mit einem 0:0 aus und das letzte Spiel aus 2006 endete 1:1. Man könnte also meinen, dass die Chance auf ein neuerliches Unentschieden nicht viel mehr als 40% betragen würde.

Die Buchmacher favorisierten die Heimmannschaft, die 4 Plätze vor Metalurg auf dem 6. Tabellenplatz liegt und setzten die Quote für Unentschieden auf durchschnittlich 3,05 an. Insgesamt entsprach die Quotenrelation am Tag vor dem Spiel wohl weitgehend der Tabellensituation, auch wenn die Auswärtsquote eigentlich schon recht hoch angesetzt war.

Doch bereits mehrere Stunden vor Spielbeginn begann die X-Quote plötzlich im freien Fall zu sinken, die Wetten auf das Unentschieden waren bei allen Bookies „ausverkauft“ …

… und der Event wurde von den meisten Buchmachern sogar gänzlich aus dem Programm genommen.

Sonntagvormittags bot nur noch eine Handvoll Wettbüros dieses Spiel an, die Einsatzhöhe war aber überall bestenfalls auf ein paar Euro beschränkt. Scheinbar wurden im Laufe der Nacht bei allen Buchmachern hohe Einsätze auf ein Remis platziert.

Bei Betfair wurden in dem Markt 80% des gesamten Umsatzes auf das Unentschieden gesetzt und die Quote sank zeitweise sogar bis auf 1,56. Ein Indiz dafür, dass hier jemand bereit ist jede noch so miese Quote anzunehmen.

Zuletzt zog die X-Quote zwar wieder auf einen Wert um die 1,90 bis 2,00 an, aber dass hier etwas im Busch ist war wohl jedem klar, der die Quotenentwicklung im Auge behalten hat. Eine Unentschieden-Quote die die meiste Zeit hindurch weit unter 2,00 und um 50% niedriger als die Favoritenquote liegt ist bei einem Fußballspiel schon sehr ungewöhnlich, aber selbst diese niedrige Quote hat einigen Zockern sicher noch einen satten Profit gebracht.

Dass dieses Spiel Unentschieden ausgehen würde scheint schon von Anfang an festgestanden
zu haben. Ich hätte am ehesten auf ein torloses 0:0 getippt, das Spiel endete aber 1:1.

Ob die beiden Tore in der 80. und 82. Minute eine gewollte Showeinlage waren, das erste Tor nur ein Versehen das schnell ausgebessert werden musste war oder ob da möglicherweise

knapp vor dem Abpfiff schnell noch jemand eine hoch quotierte Livewette auf das Unentschieden unterbringen wollte wird wohl für immer im Dunkeln bleiben.

An der Tabellensituation hat sich durch das Unentschieden jedenfalls nichts Gravierendes geändert.

Vom 19. zum 20. Spieltag haben sich beide Teams nur um einen Platz verschlechtert, liegen aber in ihrem Umfeld immer noch weitgehend gleichauf mit den anderen Mannschaften.


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